Das Argument aus dem Schweigen (argumentum ex silentio) ist eine Form des Schlussfolgerns, die auf dem bedeutsamen Fehlen eines erwarteten Elements in den verfügbaren Quellen beruht. Abwesenheit allein ist kein Beweis; sie erhält nur dann Beweiskraft, wenn sie plötzlich, vollständig und systematisch ist und wenn sie im Widerspruch zur bisherigen Praxis oder zur inneren Logik des untersuchten Phänomens steht. In solchen Fällen ist Schweigen nicht neutral, sondern wird zu einem Datum, das einer Erklärung bedarf. Im Rahmen der Evidence-Based Biblical Studies (EBBS) wird das Argument aus dem Schweigen als Evidenz der Abwesenheit behandelt – als ein Datenpunkt, der die Frage für sich genommen nicht entscheidet, jedoch Hypothesen zur Textüberlieferung, zu redaktionellen Eingriffen oder zu Veränderungen der Bedingungen, unter denen der Text bewahrt wurde, rechtfertigen kann.
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| Klaus Nielsen | pexels.com |
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