Textrezeption bezeichnet den Prozess, durch den ein Text von konkreten Leserinnen und Lesern innerhalb eines bestimmten historischen, kulturellen und gemeinschaftlichen Kontexts aufgenommen, verstanden, interpretiert und verwendet wird. Sie beschreibt nicht, was ein Text ist, sondern wie er innerhalb eines Bedeutungsnetzes funktioniert. Rezeption umfasst die Weisen, in denen ein Text gelesen, zitiert, gelehrt, paraphrasiert oder normalisiert wird, und schließt sowohl bewusste Interpretationen als auch implizite, durch Tradition geprägte Lesegewohnheiten ein. Sie bewertet Interpretationen nicht als richtig oder falsch, sondern dokumentiert, welche Elemente des semantischen Potenzials eines Textes aktiviert, hervorgehoben, begrenzt oder zum Schweigen gebracht werden. Im Rahmen der Evidence-Based Biblical Studies (EBBS) wird Rezeption als eine eigenständige Datenklasse behandelt: Sie erfasst die Bedeutungsgeschichte, ohne die sprachliche oder historische Analyse zu ersetzen.
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